Folgender Artikel wurde am 19. März 2021 in der NOZ veröffentlicht.

Bild: NOZ, dpa

7 Wochen Zuhören und Helfen

Auch häusliche Gewalt ist ein Thema für das Diakonische Werk Bramsche

von Alicia Schmudde

Bramsche. „7 Wochen Zuhören und Helfen“ heißt eine Aktion des Diakonischen Werkes Bramsche zur Fastenzeit. In der fünften Woche hat eine MItarbeiterin Frau Heldt zugehört. Frau Heldt litt unter häuslicher Gewalt und benötigt nun Unterstützung für einen Neuanfang.

Echte Fälle anonymisiert

In den sieben Wochen der Fastenzeit werden die Mitarbeiterinnen des Diakonischen Werkes jeweils eine Person vorstellen, der sie zugehört haben und deren Not sie schildern. Namen und Orte werden dabei verändert, um die Anonymität sicherzustellen. Aber es handele sich um echte Fälle aus dem Kirchenkreis, betont Natalia Gerdes, die Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Bramsche.

Reaktionen auf die letzte Geschichte

In der letzten Woche hat das Diakonische Werk Bramsche Familie Leon zugehört. Die sechsköpfige Familie Leon hat aufgrund der Corona-Pandemie Geldsorgen und konnte sich keine passende Kinderkleidung leisten. Für Familie Leon und zwei weitere Familien, welche in einer ähnlichen Situation sind, konnten insgesamt 1000 Euro an Spenden gesammelt werden.

Das Diakonische Werk hat auch diese Woche wieder einige E-Mails mit Erfahrungsberichten von Menschen erhalten, die zugehört und geholfen haben. Auch in dieser Woche soll eine dieser Nachrichten vorgestellt werden: Egal ob im Beruflichen oder privaten Zusammenhang erzählen Menschen Katja A. davon, dass sie anderen gerne helfen möchten, aber im Grunde nichts tun können. Die Probleme sind oft so verzwickt, dass / sich auf den ersten Blick einfach keine Lösung finden lässt. Und weil wir Menschen auch oft nicht von heute auf morgen die Kraft aufbringen können, die eine Veränderung braucht. Dann fühlen sich die, die zuhören, oft hilflos. Sie haben ein schlechtes Gefühl, weil sie für den, der ihnen so leidtut, nicht wirklich etwas tun können.
Allerdings glaubt Katja, dass allein das Zuhören, das genaue Hinhören, das Würdigen der Situation des anderen schon eine große Hilfe ist! Das Zuhören vermittelt: „Deine Situation ist mir wichtig. Das, was du gerade durchmachst, geht an mir nicht spurlos vorüber.“

Die fünfte Geschichte

Sonja Kohmöller ist Sozialarbeiterin und leitet die Dienststelle des Diakonischen Werkes Bramsche in Fürstenau. Sie hat in dieser Woche Frau Heldt zugehört und schildert ihre Geschichte:

„Frau Heldt stand mitten im Leben: War erfolgreich in ihrem Job und kümmerte sich aufopferungsvoll um viele Aufgaben – Bis sie jeden Tag müder und erschöpfter wurde. Diagnose Burn-out. Lange Zeit ging es ihr nicht gut. Als es ihr nach und nach besser ging lernte sie ihren heutigen Ehemann kennen. Sie berichtet, dass er ihr gut tat und sie endlich wieder neuen Lebensmut gefasst hatte.

Dann kam die Corona-Pandemie und alles wurde anders. Frau Heldts Arbeitsstelle und die ihres Mannes war gefährdet. Beide verloren ihren Job und mussten Sozialleistungen beantragen. Auch privat spitzte sich die Situation schnell zu. Ihr Ehemann setzt sie zunehmend unter Druck, beschimpft Sie, bis er auch die Hand erhob. Sie ist verzweifelt und verfällt immer wieder in depressive Phasen.“

Veränderungen

„Frau Heldt kann aber die Gewalt nicht länger ertragen und sucht Hilfe im Frauenhaus. Doch aufgrund der begrenzten Aufnahmekapazitäten im Frauenhaus konnte Frau Heldt dort nicht aufgenommen werden. In Ihrer Not wendete sie sich an das Diakonische Werk. Gemeinsam mit der Beratungsstelle der Caritas ermöglichten wir Frau Heldt eine Kostenübernahme für eine Ferienwohnung, damit sie zunächst in Sicherheit ist. Darüber hinaus bemühte sich Frau Heldt mit Hilfe ihrer Anwältin um ein Eilverfahren, damit rechtliche Schritte gegen ihren Ehemann eingeleitet werden konnten. Frau Heldts Noch-Ehemann musste aufgrund eines Gerichtsbeschlusses ihre Wohnung verlassen. Doch diese wurde vollkommen verwüstet hinterlassen. Frau Heldt benötigt nun dringend finanzielle Unterstützung, um die Wohnung wiederherzurichten.“

Der kirchliche Mediendienst von Kai-Fabien Rolf hat zu dieser Geschichte ein Video gedreht, das auf Youtube zu sehen ist. Wer gelesen oder zugehört hat und nun mit Taten oder finanzieller Unterstützung helfen will, kann sich auf der Seite diakonisches-werk-bramsche, per Telefon unter 05461 9695767 oder Mail an info@diakonisches-werk-bramsche.de informieren.

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Original Artikel: www.noz.de/artikel/2260327
Veröffentlicht am: 19.03.2021 um 06:23 Uhr

Dieser Artikel wird mit freundlicher Unterstützung zur Verfügung gestellt von der NOZ – Vielen Dank.